Willkommen beim NABU Walldorf-Sandhausen

Im Bereich der Nabu Ortsgruppe Walldorf-Sandhausen liegt nicht nur die Sandhäuser Düne mit ihrer artenreichen Flora und Fauna seltener Dünenspezialisten. Wir haben mit den Walldorfer Wiesen auch Reste ehemaligen Feuchtwiesen, mit der Schwetzinger Hardt ein Waldschutzgebiet, und mit dem Hardtbach ein zwar künstliches, aber sauberes Gewässer, das in einem Teilbereich sogar FFH-Gebiet für in Baden-Württemberg sehr seltene Libellenarten ist.

 

Grüne Flußjunger, Dünen-Sandlaufkäfer oder Große Kreiselwespe sind echte Raritäten, die auch der Laie mit etwas Geduld zu Gesicht bekommen kann.

NAJU Kids bauen Saatbomben für Wildbienen

 

Im Juni trafen sich die NAJU-Kids nun zum dritten Mal auf den Walldorfer Wiesen, um an dem riesigen Insekten- und Wildbienenhotel, dem Lebensturm, weiterzuarbeiten. Zunächst bestaunten wir die Vielzahl der verschlossenen Nistlöcher, in denen sich nun die Larven der Wildbienen entwickeln. Leider ließ sich keine Wildbiene blicken, dafür umso mehr Käfer und Käferlarven. Wir setzten mehrere Pflanzen in nächster Nähe des Lebensturmes ein, die die Insekten als Futterpflanzen lieben und benötigen. Beim Saatbomben-Bau formten die Kids aus lehmhaltiger Erde und Samen kleine Kugeln oder sogar Blumen, die in handlicher Größe überall dorthin mitgenommen werden können, wo noch keine oder wenig Pflanzen wachsen. Ob im eigenen Garten oder auf brachliegenden Flächen in der Stadt, die Kinder können mit den Saatbomben nun ganz leicht ein wenig mehr Leben und Farbe verbreiten. Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle an Herrn Baumann, ohne den es diesen Lebensturm gar nicht gäbe und der uns mit Material und Verpflegung immer bestens unterstützt! Mehr Fotos, Infos und weitere Termine gibt es auf der Homepage www.nabu-walldorf-sandhausen.de und bei Katharina Minack unter 06227-398019.

Faszination Wildbienen

 

 Die Dünen um Sandhausen sind nicht nur ein Arten-Hotspot für seltene Pflanzen, sondern auch für eine Vielzahl von Insekten.

 

Insbesondere solitäre (also nicht-staatenbildende) Wildbienen sind auf den Dünen artenreich vertreten. Die Mauerbienen zum Beispiel haben eine Reihe von Verhaltensanpassungen entwickelt, die ihnen jeweils eine eigene ökologische Nische sichern. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) fliegt bereits sehr früh im Jahr. Sie benutzt Hohlräume aller Art, um Brutröhren anzulegen (Mauerritzen, Schlupflöcher anderer Insekten im Holz, gerne auch künstliche Nisthilfen). Die Bienen sammeln Pollen, den sie ihrem Nachwuchs als Nahrungsvorrat mit in die Brutzelle geben. Feuchter Sand oder Lehm, mit Drüsensekreten vermischt, dient als Baumaterial und zum Verschluß der Röhren.

 

Die Glänzende Natternkopf-Mauerbiene erscheint erst, wenn der Gewöhnliche Natternkopf ab Juni blüht. Sie ist wenig wählerisch bei den Nisthöhlen, trägt aber ausschließlich Pollen des Natternkopfs als Nahrung für die Brut ein.

 

Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia bicolor) sieht der Gehörnten Mauerbiene sehr ähnlich, zeigt aber ein ganz anderes Verhalten: sie sucht sich mittelgroße bis große, leere Schneckenhäuser, in denen sie die Brutzellen anlegt. Sie ist zwar nicht die einzige Wildbiene, die Schneckenhäuser als Nisthöhle nutzt, aber das nun folgende Verhalten ist einzigartig: die Biene trägt Pflanzenteile herbei, gerne Kiefernnadeln, mit denen sie das Schneckenhaus tarnt! Am Ende ist das Haus nicht mehr zu sehen. Der Sinn dieses Verhaltens ist wohl, dass die Brut keinen Vögeln zum Opfer fällt, die sich gerne an Schnecken zu schaffen machen (z.B. Drosseln).

 

Die Mauerbienen sind, wie die allermeisten Wildbienen, sehr friedfertig, dafür aber umso nützlicher als Bestäuber. Selbst an größeren Brutkolonien von Wildbienen, die man gelegentlich an günstigen Standorten finden kann, ist die Wahrscheinlichkeit gestochen zu werden, sehr gering.

 

Es ist ganz erstaunlich, das Verhalten dieser Insekten zu beobachten. Auch nicht-staatenbildende Stechimmen faszinieren durch ihre vielfältigen Anpassungen an verschiedene Lebensräume.

 

Gehörnte Mauerbiene, Glänzende Natterkopf-Mauerbiene und Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene (vorher und nachher)  Text und Fotos: Peter Weiser

Nisthilfe für den Wiedehopf

NABU-Mitglied und Vogelwart Günter Keim aus Walldorf hat einen Nistkasten für den Wiedehopf gezimmert. Da der Wiedehopf öfters in der Nähe des Waldfriedhofs Sandhausen ruft, haben wir uns entschlossen, den Kasten auf der Wiese hinter dem Waldfriedhof aufzuhängen – auch wenn es für dieses Jahr möglicherweise schon etwas zu spät ist.

   Diese Wiese hat sich in den letzten Jahren zu einem interessanten Sandrasen entwickelt. Natürlich ist sie als Erweiterungsfläche für den Waldfriedhof vorgesehen, und im Moment gehen auch Arbeiten vonstatten um die Wiese nach und nach zu erschließen.

Den Mäharbeiten ist leider schon eine Blindschleiche zum Opfer gefallen.

Interessant ist, dass sich auch ohne weiteres Zutun des Menschen (bis auf gelegentliches Mähen) eine Freifläche auf Sandboden zu einem wertvollen und artenreichen Biotop entwickelt hat.

   Die Wiese hinter dem Friedhof wird leider in den nächsten Jahren wieder verschwinden.

Umso wichtiger ist es, dass auf den Dünengebieten um Sandhausen auch in Zukunft immer wieder offene Flächen entstehen, um den Dünenspezialisten Lebensraum zu sichern. Das geplante neue Naturschutzgebiet  am Brühlweg, südlich von Sandhausen, ist daher ein viel versprechender Ansatz.

   Vielleicht wird der Wiedehopf in Zukunft wieder zu einem Brutvogel in unserer Gemeinde, wenn er neben Nistplätzen auch genügend offene Flächen mit lockerem Baumbestand zur Nahrungssuche vorfindet.

Text und Fotos: Peter Weiser

Was passiert mit Wald und Dünen?

Am Brühlweg in Sandhausen wird unter Federführung des Regierungspräsidiums Karlsruhe ein neues Naturschutzgebiet geplant. Es handelt sich bekanntlich um das Kernstück eines Ersatzausgleichskonzepts, das anstelle des ursprünglich geplanten Rückbaus der L 600 beschlossen wurde. Das Gebiet liegt bei den Naturschutzgebieten Pferdstriebdüne und Zugmantel-Bandholz und soll zwischen beiden eine Verbindung herstellen.

 

   Armin Jendrysik vom Nabu Rhein-Neckar-Odenwald bot bei einer Begehung einen Überblick über den Stand der Planungen. Demnach sollen bis 2025 im insgesamt 32 Hektar großen Naturschutzgebiet schrittweise sieben bis acht Hektar Sandrasenflächen und ebenso viel lichte Sandkiefernwälder entstehen. Weit mehr als die Hälfte der Bäume bleiben also stehen. Zumal - wie Jendrysik berichtete - sich die Rodungen auf Flächen kleiner als ein Hektar beschränken, da bei großflächigeren Rodungen für den Wald Ausgleichsflächen geschaffen werden müssten. Wie Mosaiksteinchen könne man sich das vorstellen, so der Geograph. Das mit der Planung beauftragte Walldorfer Umweltbüro Spang Fischer Natzschka GmbH habe versichert, dass die Maßnahmen zum Winter hin in Angriff genommen werden. Sie sollen dann schrittweise bis 2025 umgesetzt werden.

 

   Ähnlich wie auf der Düne Pferdstrieb, wo durch den Südteil ein Handlauf führt während der Nordteil komplett eingezäunt ist, soll es auch „Am Brühlweg“ eine Besucherlenkung geben. „Viele der seltenen Dünenpflanzen sind trittempfindlich“, erläuterte Jendrysik. Außerdem gebe es eine ganze Palette von Wildbienen, räuberischen Laufkäfern und seltenen Heuschrecken. Die Dünengebiete seien außerdem ein Eldorado für bodenbrütende Vögel. Doch würden diese zwei oder dreimal durch Spaziergänger oder freilaufende Hunde gestört, verließen sie ihr Gelege. Durch Einzäunung einzelner Flächen könne man diese Arten schützen. Denn der Besucherdruck durch die angrenzenden Wohngebiete sei groß, berichtete Jendrysik und wie zum Beweis kam eine Gruppe Jogger des Weges. Manfred Löscher, der als pensionierter Erdkundelehrer mit Schülern regelmäßig Pflegemaßnahmen auf den Dünen durchführt, wies auf die Bedeutung der Wege für die Freizeitnutzung hin, worauf Jendrysik ihn beruhigte: Diese könnten weiter wie gewohnt genutzt werden.

 

   Auch das Weidekonzept war Thema. Während aktuell auf den offenen Flächen durch jährliche Landschaftspflegemaßnahmen die Verbuschung zurückgedrängt werden muss, sollen künftig als vierbeinige Landschaftspfleger Schafe, Ziegen und eventuell auch ein paar Esel zum Einsatz kommen. Gedacht ist am eine große gemischte Herde von rund 300 Tieren, die auf den mageren Sandrasen der Region weiden und dabei mit ihrem Fell die Samen der seltenen Pflanzen verbreiten. Dabei sollen sie nur jeweils zwei Wochen im Jahr auf einer Teilfläche bleiben.

Doch es gilt noch zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Zum einen hängen nicht alle Sandgebiete zusammen, so dass die Tiere mit Hängern umgesetzt werden müssen. Für die Versorgung mit Wasser könnten Tankwagen benötigt werden. Und nahrhaft sind die kargen Sandrasen auch nicht gerade. „Für die Tiere sind das Hungerflächen; das ist, als würde man sie auf Diät setzen“, so Jendrysik. Doch „Wellnessflächen“, wo sie wieder aufgepäppelt werden können, fehlen bisher. Naturschutzwart Peter Weiser schlug die Walldorfer und Nußlocher Wiesen vor, da sie nährstoffreicher seien.

 

   Dass die Beweidung mit der Ausgleichsmaßnahme Brühlweg-Düne und dem Nabu-Projekt Lebensader Oberrhein zwei unabhängige Projekte mit eigener Finanzierung betreffe, mache die Sache nicht einfacher, bemerkte die Vorsitzende des Nabu Walldorf-Sandhausen Karin Knitter-Lehmann.

„Gibt es überhaupt einen Schäfer, der bereit ist, all das für wenig Geld zu leisten?“, fragte Löscher. Hobbyschäfer Onno von der Emde habe sich bereit erklärt, doch man brauche jemanden, der das ganze Projektgebiet aus einer Hand betreut, so Jendrysik. Man sei noch auf der Suche.

Text und Fotos: Sabine Hebbelmann

Südwest-Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“

Wachsende Unterstützung für NABU-Mitmachaktion / Fachleute in Sorge um Mehlschwalbe & Co.

 

Stuttgart – Über 90.000 Vögel haben ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei der NABU-Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“ in Baden-Württembergs Städten und Dörfern gezählt. Knapp 4.000 Menschen und damit rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr hatten der Natur dazu am Pfingstwochenende eine Stunde ihrer Zeit geschenkt. Auf Platz Eins landet der Haussperling, gefolgt von Kohlmeise, Amsel, Blaumeise und Feldsperling. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es in den Top Fünf damit nur eine Verschiebung: Kohlmeise und Amsel haben die Plätze getauscht.

 

„Die Stunde der Gartenvögel liefert über die Jahre flächendeckende Informationen darüber, wie es den verschiedenen Vogelarten geht. Und die Zahlen machen deutlich, wo dringend etwas getan werden muss“, sagt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Großen Anlass zur Sorge liefert der deutliche Abwärtstrend bei den Gebäudebrütern: „Die Vögel haben sich über die Jahrhunderte hinweg als Kulturfolger im Siedlungsraum eingerichtet und mit uns Menschen arrangiert. Aber gerade Mehlschwalben und Mauersegler werden immer seltener gezählt, Rauchschwalben wurden in neun Landkreisen überhaupt nicht gesichtet.“

 

Dabei wäre ihnen nach Überzeugung des Vogel-Fachmanns mit Toleranz und gutem Willen leicht geholfen. „Leider fallen immer wieder Nester Renovierungsarbeiten oder falsch verstandener Hygiene zum Opfer – obwohl es verboten ist, sie zu entfernen oder zu zerstören.“ Hinzu kommt, dass es immer weniger Insekten gibt und damit Nahrung für die Flugakrobaten knapp wird. Denn sie ernähren sich vom sogenannten Luftplankton, also von Insekten, die der Wind aus einem großen Einzugsgebiet in hohe Luftschichten verfrachtet und dort gleichmäßig verteilt. „Der massive Einsatz von Insektengiften in der Landwirtschaft, aber auch in vielen Gärten, muss sich ändern“, sagt Bosch.

 

Licht am Horizont zeigt sich hingegen im Stieglitz-Jahr bei den Finkenvögeln. Der Stieglitz – auch bekannt als Distelfink – wird trotz seines Promi-Status als Vogel des Jahres zwar relativ selten gesichtet und landet auf Platz 19. Der NABU-Experte führt dies in erster Linie auf seine zurückgezogene Lebensweise zurück. In Baden-Württemberg liegen die Zahlen etwas über dem Bundesdurchschnitt. Beim Grünfink (Platz 11) ist der Trend stabil, der Absturz nach dem Finkensterben der letzten Jahre scheint gestoppt. Bosch schließt daraus, dass es Jahre braucht, bis die Effekte von Krankheitserregern sich nicht mehr in den Zahlen niederschlagen. Umso wichtiger sei die Hygiene am Futterhaus, appelliert er an Vogelfreundinnen und -freunde.

 

NABU Baden-Württemberg

 

Das geht gar nicht!

 

Während der Beobachtungen zur „Stunde der Gartenvögel“ am Naturgarten konnten wir leider nicht nur Vögel beobachten.

Das Verhalten der Menschen auf dem Foto gefährdet den Bruterfolg der Störche massiv.

Milchwirtschaft: NABU BW für zielgerichtete Anreize statt Förderung nach dem Gießkannen-Prinzip

 

Stuttgart – Die auf Bundesebene angekündigten Soforthilfen für die Milchwirtschaft und die heutige Forderung der Unions-Fraktionsspitzen nach deren Ausweitung gehen nach Einschätzung des NABU Baden-Württemberg am Ziel vorbei. „Das eigentliche grundlegende Problem ist die zu große Milchmenge. Wenn es staatliche Hilfen gibt, müssen sie da ansetzen und eine Reduktion bewirken“, sagt NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke. „Gerade nicht zielführend ist es, Gelder per Gießkannen-Prinzip an alle Milchproduzenten zu verteilen.“

 

Stattdessen sei etwa die Fütterung ein Hebel, der sich schnell und einfach umlegen lasse: „Die Gleichung ist simpel: weniger Kraftfutter, weniger Milch“, sagt Goedecke. Sinnvoll könne etwa eine gezielte Förderung von Landwirtinnen und Landwirten sein, die auf Kraftfutter verzichten, das oftmals aus importierten und genetisch veränderten Pflanzen besteht. „So lässt sich die Reduktion der Milchmenge ohne Mehrkosten mit ökologischen Zielen verbinden.“ Denn wenn Kühe ganz traditionell Grünfutter zu fressen bekommen und die Wiesen zudem nachhaltig bewirtschaftet werden, könne das ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt des dahinschwindenden artenreichen Grünlands sein.

 

NABU Baden-Württemberg

 

Naturschutz am Kühlregal

Landwirtschaft hat Verantwortung für biologische Vielfalt

- Politik und Verbraucherentscheidungen können Artenvielfalt unterstützen

 

Stuttgart – Um dem massiven Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft entgegenzuwirken, braucht es nach Einschätzung des NABU vereinte Anstrengungen von Politik sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern. Nur dann bieten sich in allen landwirtschaftlichen Bereichen realistische Chancen, den galoppierenden Biodiversitätsverlust aufzuhalten. „Das gilt auch für die Milchwirtschaft. Denn sie beeinflusst unsere Natur erheblich – je nach Wirtschaftsweise positiv oder negativ“, sagt NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke. So fördere die traditionelle Milchwirtschaft mit Weidegang und Heuwiesen die Artenvielfalt, weil auf den damit entstehenden Wiesen und Weiden viele Pflanzen- und Tierarten eine Heimat finden. Die intensive, „quasi-industrielle Milchwirtschaft“ dagegen sei für den Verlust von Biodiversität mitverantwortlich, weil gentechnisch verändertes Kraftfutter importiert und heimisches Grünland zu intensiv bewirtschaftet wird.

 

„Wenn die Politik die Rahmenbedingungen verändert und wir alle beim Einkaufen am Kühlregal nicht zur billigsten, sondern zur naturverträglichen Milch greifen, trägt das dazu bei, dass Acker-Hundskamille, Echter Frauenspiegel oder Acker-Löwenmaul nicht für immer aus unserer Kulturlandschaft verschwinden“, betont Goedecke anlässlich des Tags der Milch. Wer Milch von kleinen Familienbetrieben oder aus Bio-Bewirtschaftung in den Einkaufswagen packe, könne davon ausgehen, dass das Futter für die Kühe zum größten Teil vom eigenen Betrieb stammt, keine Gentechnik enthält und ohne Pestizideinsatz gewachsen ist. Milch und Milchprodukte von regional ansässigen Bio-Betrieben gebe es auch im Lebensmitteleinzelhandel. „Wenn es am Angebot fehlt, hilft penetrantes Nachfragen“, rät Goedecke. Es sei ein Stück weit nachvollziehbar, dass bei Milchpreisen von nur rund 20 Cent pro Liter bei Landwirtinnen und Landwirten das Thema biologische Vielfalt gegenüber unmittelbaren Existenzängsten in den Hintergrund trete, sagt der Landwirtschaftsexperte. „Es sollte aber allen bewusst sein: Verbraucherinnen und Verbraucher können mit ihrer Kaufentscheidung etwas für die biologische Vielfalt auf unseren Äckern und Wiesen tun.“

 

Neben den Verbraucherinnen und Verbrauchern sieht der NABU die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen für eine naturverträgliche Landwirtschaft und für eine rentable Milchproduktion zu verbessern: „Laut Koalitionsvertrag will die neue Landesregierung die Milchviehhalter im Land unterstützen“, erläutert Goedecke. „Dieses Ziel gilt es jetzt in konsequentes Handeln zu übersetzen. Das heißt beispielsweise ganz konkret: Die neue Landesregierung muss dafür sorgen, dass auch jenen Landwirtinnen und Landwirten Unterstützung und Wertschätzung zukommt, die in schwer zu bewirtschaftenden Steillagen Milchvieh halten, die so charakteristisch für Baden-Württemberg sind – etwa im Schwarzwald. Hier gilt es zum Beispiel bei der ‚Ausgleichszulage Landwirtschaft‘ die Zuwendungen zu erhöhen.“ Zudem müssen Beratung und Unterstützung bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft weiter konsequent ausgebaut werden.

 

Hintergrund: Zahlen

Deutschland produziert als größtes Milcherzeugerland der Europäischen Union 31,87 Millionen Tonnen Milch pro Jahr. In Baden-Württemberg ist die Zahl der Milchkühe von 1994 bis 2014 um 31 Prozent gesunken, trotzdem ist die produzierte Milchmenge mit 2,4 Millionen Tonnen praktisch gleich geblieben. Der Anteil erzeugter Bio-Milch an der gesamten Milchmenge in Baden-Württemberg liegt bei etwa fünf Prozent. (Quellen: Deutscher Bauernverband, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter)

 

NABU Baden-Württemberg

Eine Kuh auf der Alm    Foto: Sabine Hebbelmann

Touren im Hotspot der Artenvielfalt

Im Rahmen des Projekts „Lebensader Oberrhein“ hat der NABU abwechselungreiche Touren zusammengestellt. Die detaillierten Weg­beschrei­bungen im Internet sind angereichert mit viel Wissenswertem rund um die heimische Tier- und Pflanzenwelt sowie die Entstehungs­geschichte der unterschiedlichen Lebensräume. So lassen sich auch altbekannte Wege mit ganz neuem Blick erleben. Alle Touren stammen von echten  Kennern der Region.

Unter den insgesamt gut zwanzig Touren im gesamten Projektgebiet finden sich zwei Touren durch die Hardt bei Walldorf und Sandhausen:
Einen Rundweg durch die Südliche Schwetzunger Hardt beschreibt der Walldorfer Revierförster Gunter Glasbrenner. Die Hardt sei ein besonderes Waldgebiet, denn sie berge in ihrem Innern eindrucksvolle Zeugen der Landschaftsgeschichte unseres Raumes: das größte zusammenhängende Dünengebiet in Baden-Württemberg mit über 21 Meter hohen Dünenzügen. Die 6 Kilometer lange Route ist für Ausflüge zu Fuß (rund eineinhalb Stunden) oder mit dem Fahrrad gleichermaßen gut geeignet. Ein echter Ziehbrunnen mit der Möglichkeit Wasser zu schöpfen, eine Waldweidefläche, auf der zeitweise Ziegen und Schafen weiden oder aber ein Wasserbiotop mit vielen interessanten Wassertieren machen den Rundweg insbesondere für Kinder sehr attraktiv.
Dr. Kartin Fritzsch, Biologin und Projektleiterin "Lebenader Oberrhein", stellt einen 6,8 Kilometer langen Rundweg durch die Hardt zwischen Walldorf und Sandhausen vor. Ausgangspunkt ist der Spielplatz bei der Waldschule in Walldorf. Weitere Wegpunkte sind der Maulbeerbuckel, der Hardtbach mit der Lutherschen Brücke und die Naturschutzgebiete Zugmantel-Bandholz und Pferdstrieb. Für die außergewöhnliche Flora und Fauna der Sandrasenbiotope sollte man sich Zeit nehmen und auch mal etwas genauer hinschauen.
Eine Kurzbeschreibung aller Touren bietet die Seite Touren im Überblick.
http://www.lebensader-oberrhein.de/touren.html

Rast- und Heimstätte für seltene Vögel

Die Walldorfer Storchenwiese hat sich zu einem interessanten Biotop entwickelt – der Storch ist längst nicht der einzige Star in diesem Feuchtgebiet. Zur Zugzeit - wie im Moment – kann man immer wieder Arten beobachten, die bei uns als Brutvögel inzwischen selten geworden sind: Kiebitze, Wiesen- und Bergpieper, oder Schwarzkehlchen. Es gibt aber auch dauerhafte Bewohner wie den Eisvogel oder die Wasserralle. Bei der letzteren handelt es sich um einen sehr scheuen Rallenvogel, der durch seine quiekende Stimme auffällt, sich aber sonst eher scheu gibt. Da feuchte Lebensräume mit Schilfbewuchs rar geworden sind, trifft man auch die einzelgängerische Wasserralle nur noch selten an. An der Storchenwiese kann man sie im Winter regelmäßig hören, mit etwas Glück bekommt man sie auch kurz zu Gesicht. In den 1990er Jahren zählte man in Baden-Württemberg deutlich weniger als hundert Brutpaare.

Peter Weiser

 

Schwarzkehlchen (links) und Wasserralle   Fotos: Peter Weiser

Sandhausen - 07.03.2016.

 

Für wertvolle Lebensräume Ersatz schaffen

 

NABU Walldorf-Sandhausen fordert eine Ausgleichsfläche für den Bau des SAP-Rechenzentrums

 

Die SAP will für den Ausbau ihres Cloud-Geschäfts auf rund 9 000 Quadratmetern Fläche ein Rechenzentrum bauen. Der Standort auf dem Gelände der Walzrute liegt zwischen dem Hasso-Plattner-Ring, einem Parkdeck und dem Hochholzer Wald.

Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des NABU Walldorf-Sandhausen berichtete die Vorsitzende Karin Knitter-Lehmann über eine Stellungnahme, die der Ortsverband im Namen des NABU-LandesverbandesMitte Dezember abgegeben hat.
Wie Knitter-Lehmann darlegte, handle es sich um ökologisch wertvolle Sand-Magerrasen und Trockenrasen, entsprechend sei dieser Verlust zur Vermeidung genetischer Verarmung und im Zuge der Biotopvernetzung in räumlicher Nähe zum Eingriff auszugleichen.

"Die Überbauung stellt einen Verlust von wichtigem Nahrungs- und Lebensraum für Insekten, Eidechsen und Vögel dar", zitierte sie. Der NABU fordere, die Flurstücke südlich des geplanten Standorts bis zum südlich angrenzenden Waldrand als Ausgleichsflächen zur Verfügung zu stellen.

Gerade in der dicht bebauten und landwirtschaftlich intensiv genutzten Rheinebene müsse darauf geachtet werden, die Summe der Grünlandflächen zu erhalten. "Einen Ausgleich durch Verrechnung mit dem in der Aufstellung befindlichen Ökokonto der Stadt Walldorf halten wir für unrechtmäßig. Um Eingriffe mit Hilfe des Ökokontos ausgleichen zu können, muss dieses bereits vorher ein genügend großes Guthaben in Form von Grünlandausgleichsflächen tragen", betonte Knitter-Lehmann und schickte mit Verweis auf das Gutachten hinterher: "Wir bemägeln grundsätzlich, dass die Begehung des Untersuchungsgebietes in dem jahreszeitlich begrenzten Zeitraum von August bis Oktober 2015 für die Potenzialabschätzung nicht ausreichend war."

Knitter-Lehmann informierte, dass der Gemeinderat am 13. Oktober grünes Licht für das Planungsverfahren zum Rechenzentrum gegeben hatte. In der Dezembersitzung seien dann die Offenlage des Bebauungsplanentwurfs "Walzrute, 1. Teiländerung" und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange beschlossen worden.

Sabine Hebbelmann

Foto: LUBW

Für Mensch und Natur

Der Naturschutzbund Deutschland e.V. - NABU - möchte Menschen dafür begeistern, sich durch gemeinschaftliches Handeln für die Natur einzusetzen. Wir wollen, dass auch kommende Generationen eine Erde vorfinden, die lebenswert ist, die über eine große Vielfalt an Lebensräumen und Arten, sowie über gute Luft, sauberes Wasser, gesunde Böden und ein Höchstmaß an endlichen Ressourcen verfügt.

NABU-Landesvertreterversammlung 2015

Neuer Landesvorstand gewählt

Der neue NABU-Landesvorstand (Foto: NABU-LV Baden-Württemberg)

Die Delegierten der knapp 250 NABU-Gruppen in Baden-Württemberg haben am Samstag (21.11.) Andre Baumann einstimmig für weitere vier Jahre zum NABU-Landesvorsitzenden gewählt. Weiterlesen...

Auf diesen Seiten möchten wir Ihnen unsere Arbeit vorstellen und Perspektiven für eine lebenswerte Zukunft entwickeln.


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Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene machen "action for nature"

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