Seltenen Dünenbewohnern auf der Spur

Eine Exkursion zur Sandhäuser Pferdstriebdüne bietet Naturschutzwart Dr. Peter Weiser am 9. Juni von 10 bis 12 Uhr über die VHS an. Treffpunkt ist der Parkplatz bei der Düne (verlängerte Seegasse)

Hier geht's zur -> Anmeldung bei der VHS

 

Radeln für ein gutes Klima

Die trockenen Magerstandorte und Feuchtbiotope der Region dienen als Trittsteine zur Förderung von Artenvielfalt und Naturentwicklung und sind von großer Bedeutung im Hinblick auf das viel diskutierte Insekten- und Artensterben. Im Rahmen der Aktion Stadtradeln werden am 12. Juni auf einer Wegstrecke von rund 13 Kilometern verschiedene Ziele rund um Walldorf angefahren. Zur Teilnahme an der Fahrradexkursion trifft man sich ab 17.45 Uhr auf dem Friedhofsparkplatz am Ende der Hauptstraße in Walldorf. Abfahrt ist um 18.00 Uhr.
Bei Regen fällt die Veranstaltung aus.


Bedrohte Vielfalt auf der „Pflege Schönau“

 

Beim Kampf ums Überleben sind viele Arten aufeinander angewiesen

Sandhausen. Die Sandhäuser Schutzgebiete liegen Naturschutzwart Peter Weiser am Herzen und so führt er die Interessierten, die seiner recht spontanen Einladung zur Exkursion  gefolgt sind, durch den Wald zur „Pflege Schönau“.

Zwei „Waldbrettspiel“ genannte Schmetterlinge tanzen umeinander in den Sonnenstrahlen, die durch die Bäume fallen und ein Zaunkönig macht seine geringe Größe durch Lautstärke wett. Auf der Ausgleichsfläche, wo der Wald noch lichter wird, flattert das Kleine Wiesenvögelchen umher, kein Vogel sondern ein weiterer Schmetterling.

Als zusätzliches Anschauungsmaterial hat der Hobbyfotograf einige Tafeln mit Fotos von Dünenbewohnern mitgebracht. „Für den Artenschutz kann es auch mal gut sein, Bäume zu fällen“, erklärt Weiser. Denn die echten Dünen-Raritäten finden sich bevorzugt  in den offenen Bereichen, dort wo Hitze und Trockenheit über dem sandigen Untergrund so extrem sind, dass kaum Konkurrenz zu fürchten ist. Nur die Robinie, die im Gebiet gerade prächtig blüht, stellt mit ihren langlebigen Samen eine Gefahr dar, denn auch sie kommt mit trockenen mageren Standorten sehr gut zurecht.

In Begleitung des Naturschutzwarts darf die Gruppe was sonst nicht erlaubt ist: Den niedrigen Zaun übersteigen und das Gebiet betreten. Um das Ovalblättrige Sonnenröschen flattert der Kleine Sonnenröschen-Bläuling, eine Rote-Liste-Art. Nicht weit entfernt findet sich ein Horst der Sand-Strohblume, seltene Futterpflanze für einen noch selteneren Nachtfalter, der Sandstrohblumeneulchen heißt. Schmetterlinge und ihre Nahrungspflanzen gehören zusammen, das weiß auch Naturforscher John F. Burton, der lange für den BBC gearbeitet hat und dessen besonderes Interesse den Insekten gilt. Burton berichtet, dass in Großbritannien der Sonnenröschen-Bläuling die Nahrungspflanze gewechselt hat und die Raupen inzwischen Storchschnabelgewächse fressen. Den Großen Bocksbart, dessen gelbe Blüten sich um die Mittagszeit schließen, kennt er unter der Bezeichnung „Jack-go-to-bed-at-noon“.

Auf den Dünen lasse sich gut beobachten wie eine Art von der anderen abhängt, bemerkt Weiser, der sich auch im örtlichen Naturschutzbund (Nabu) engagiert. Allgemein sei die Artenvielfalt in den Dünengebieten weit größer als im dichten Wald oder auf landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen.

Die Gruppe wechselt auf die andere Seite des Weges, die offen zugänglich ist. Eine Joggerin läuft statt durch den losen Sand  über den festeren Sandrasen. „Der Weg wird immer breiter“, stellt der Biologe fest, schickt aber hinterher, dass für Insekten wie Sand-Laufkäfer und Sand-Bienen auch offene Stellen wichtig seien.

Ein Imker hat seine Bienenkästen direkt am Rand der „Pflege Schönau“ bei den Robinien aufgestellt. Weiser sieht das kritisch, da er Konkurrenz für die im Naturschutzgebiet beheimateten Wildbienen fürchtet. Denn anders als diese sei die Honigbiene nicht wählerisch.  Ihn ärgert, dass in Naturschutzgebieten das Gewohnheitsrecht gilt und beispielsweise in Nußloch ein Imker 40 bis 50 Bienenkästen auf den Trockenrasen stellen darf. Bei der Diskussion ums Bienensterben und die Bestäubungsleistung von Bienen sollten die Wildbienen mehr in den Blick genommen werden, findet er.

Am Vortag hatte Weiser auf einer alten Kiefer erstmals eine Heidelerche entdeckt. Dieser Vogel, der früher häufig war, sei inzwischen eine echte Rarität. Erst neulich habe er eine Familie beim Picknicken auf der Fläche angetroffen, berichtet der Naturschutzwart und betont: „Die Heidelerche hat hier nur eine Chance wenn sie nicht gestört wird.“

Sabine Hebbelmann



Naturschutzpolitische Wanderung mit Staatssekretär Andre Baumann

 

Fast fünfzig Interessierte sind der Einladung des Grünen Kreisverbandes Kurpfalz-Hardt zu einer Exkursion mit Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann in die Sandgebiete zwischen Walldorf und Sandhausen gefolgt.

„Was für Ruanda der Berggorilla, ist für die Kurpfalz die vom Aussterben bedrohte Sand-Silberscharte“, bemerkt Baumann, dem als Schwetzinger und vormaligem Nabu-Landeschef die heimischen Sandbiotope

besonders am Herzen liegen. Das Land sei gegenüber der EU verpflichtet, bestimmte seltene Arten zu erhalten, „sonst gibt es einen Blauen Brief aus Brüssel.“

 

Dank gemeinsamer Anstrengungen von Land, Naturschutzbund (Nabu), Forst und Kommunen habe sich der Erhaltungszustand der Sandrasen auf Binnendünen verbessert - die Ampel sei von rot auf gelb gesprungen.

Kreisvorstandssprecher und Lehramtsstudent Maximilian Himberger leitet an der Waldschule in Walldorf eine Arbeitsgemeinschaft, welche die Naturschutzmaßnahmen auf dem nahen Maulbeerbuckel aktiv begleitet. Seine Schüler hat er zu kurzen Texten über die Dünen je ein Bild malen lassen und stellt nun das selbst gestaltete Spiel vor. „Wer hat Lust mitzumachen?“ fragt er und schickt - ganz Pädagoge - augenzwinkernd hinterher: „Ansonsten bestimme ich Jemanden.“ Auf zweigeteilten Karten findet sich auf einer Seite eines der Kinderbilder oder ein Foto, auf der anderen ein Text. Es gilt, diese „Dominosteine“ so zusammenzulegen, dass Bild und Text zusammenpassen.

 

„Aufpassen!“, ruft der angehende Lehrer auf dem Weg zum Sandbuckel plötzlich. Jemand hätte beinahe

auf die Rosette der Wohlriechenden Skabiose, getreten, eine streng geschützte Dünenpflanze, die im Sommer zartviolett blüht. „Hier muss man auf dem Weg bleiben, das sag ich auch immer meinen Schülern“, so Himberger. „Wir wollen von klein auf für die heimische Natur sensibilisieren“, ergänzt Lorenz Kachler,

Rektor der Waldschule.

Himberger informiert, dass demnächst ein Handlauf den Weg über den Maulbeerbuckel vorgibt und eine Tafel über schützenswertes informiert. Laut Forstbezirksleiter Sebastian Eick wird es auch den Hinweis geben, dass Hunde - besonders in der Brutzeit - an die Leine zu nehmen sind. Die Stadt Walldorf habe sich verpflichtet, das Gebiet nach Ablauf des Nabu-Projekts Lebensader Oberrhein in den forstlichen Revierdienst zu übernehmen und für die Erhaltung zu sorgen.

„Wir brauchen Flächen, auf denen die Natur Vorrang hat“, betont Baumann. Auch wenn sie nicht immer einsichtig sind - sprechen Sie Hundebesitzer an, die ihre Hunde im Naturschutzgebiet frei laufen lassen!“,

appelliert er an die Teilnehmer. „Je mehr das tun desto besser.“ Förster und Ehrenamtliche im Naturschutz solle man mit dieser undankbaren Aufgabe nicht allein lassen.

 

Wie zum Beweis schimpft eine Hundebesitzerin kurz darauf im Naturschutzgebiet „Zugmantel-Bandholz“ lauthals drauflos als sie gebeten wird, ihren Hund anzuleinen.

Tatsächlich sind die Raritäten der Sanddünen wenig spektakulär und oft erst bei genauem Hinsehen zu entdecken. Baumann zeigt das winzige Sand-Vergissmeinnicht und das Frühlings-Hungerblümchen, die früh im Jahr blühen, die trocken-heiße Jahreszeit überdauern und sich so an die extremen Standortbedingungen angepasst haben.

 

Zu sehen ist auch die Graue Zackenmütze, die am Stuttgarter Neckartor als Mooswand eingesetzt wird um den Feinstaub aus der dreckigen Luft zu filtern. Zahlreiche kleine Wildbienen verschiedener Arten fliegen herum oder verschwinden in unterirdischen Gängen im Sandboden.

Am Hardtbach weist Naturschutzwart Peter Weiser darauf hin, dass man hier im Sommer mit etwas Geduld die seltene Libellenart Grüne Flussjungfer beobachten kann.

Die größte Fraktion im Landtag habe sich den Naturschutz auf die Fahnen geschrieben, versichert Staatssekretär Baumann. Nachdem die Naturschutzverwaltung lange ausgedünnt worden sei, habe sie 255 neue Stellen geschaffen. Doch ohne die ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten und

Naturschutzwarte gehe es nicht.

 

Baumann geht auch ein auf den Streit um die L 600 bei Sandhausen-Bruchhausen und das als Ersatzausgleichsmaßnahme geplante Naturschutzgebiet am Brühlweg. Hier werde auf rund 30 Hektar je zur Hälfte lichter Kiefernwald und Sandrasen entstehen. Da die offenen Bereiche nicht größer als

ein Hektar sein dürfen entstehe eine mosaikartige Landschaft. „Ich gehe davon aus, dass in Kürze das Naturschutzgebiet ausgewiesen wird“, sagt er. Das neue Sandbiotop zwischen Pferdstriebdüne und Zugmantel-Bandholz soll für Austausch zwischen den kleinen Populationen sorgen, sagt Baumann und ergänzt: „Wir wollen Isolation verhindern, denn von Königshäusern und Pharaonen wissen wir: Inzucht

ist nicht gut.“

 

Sabine Hebbelmann


NABU-Exkursion auf die Pflege Schönau

 

Die wenig bekannte Düne im Norden von Sandhausen

 

Zur Pflege Schönau führt ein kleiner Pfad, der zunächst am Waldfriedhof und der dahinter gelegenen extensiv bewirtschafteten Wiese vorbei führt. Diese Magerwiese ist sehr artenreich und beherbergt neben vielen Schmetterlingsarten auch eine kleine Population an Zauneidechsen.

 

Auf der Pflege Schönau selbst können die Teilnehmer sich ein Bild von den aktuellen Pflegemaßnahmen machen. Der Kiefernforst im Süden des Gebietes wurde aufgelichtet und der Oberboden soweit abgetragen, dass nun wieder der Sand zutage tritt.

 

Trotz des relativ kalten Frühjahrs lassen sich einige Charakterarten auf den Sandrasen auffinden. Zypressen- und Steppenwolfsmilch, die Echte Hundszunge ebenso wie Silbergras und Blaugrünes Schillergras. Das Frühlings-Fingerkaut bildet gelbe Polster, und an einer Stelle blüht das Sand-Steinkraut ebenfalls üppig gelb.

Die Teilnehmer erfahren von den verschiedenen Strategien der Dünen-Pflanzen, die trockenen und heißen Bedingungen auf der Düne zu überleben. Der Reiherschnabel zum Beispiel bildet eine Pfahlwurzel aus, die als Speicherorgan dient. Viele Pflanzen verfügen über eine dichte Behaarung, um den Wasserverlust herabzusetzten. Mauerpfefferarten wie der Scharfe Mauerpfeffer oder die Felsen-Fetthenne verfügen über verdickte fleischige Blätter. Und Spezialisten wie die Weiße Sommerwurz schmarotzen auf anderen Pflanzen - in diesem Fall auf dem Sand-Thymian – und bilden selbst kein Chlorophyll mehr. Die knospende Bocks-Riemenzunge, eine wärmeliebenden Orchidee, die erst vor wenigen Jahren auf der Pflege Schönau aufgefunden wurde, ist ein Highlight der Exkursion.

 

Exkursionsleiter Peter Weiser zeigt den Teilnehmern eindrucksvoll, wie artenreich der blühende Weißdorn ist: dort können ohne großen Aufwand Rosenkäfer und andere Käfer gefangen werden, ebenso wie Krabbenspinnen, die dort auf Beute lauern. Etliche Schwebfliegen und Wildbienen umschwirren mit feinem Summen die blühenden Büsche. Die Insekten und Spinnen werden natürlich nach einer kurzen Vorführung wieder auf den Busch gesetzt.

Auch der eingezäunte Weg durch die Pflege Schönau erlaubt interessante Beobachtungen. Neben Springspinnen ist hier auch der Dünen-Sandlaufkäfer zu beobachten.

 


NABU-Exkursion ins NSG Zugmantel Bandholz

Im Rahmen des Tages der offenen Gärten bietet der NABU Walldorf-Sandhausen am 25. Juni 2017 (14 Uhr) eine Exkursion ins Naturschutzgebiet Zugmantel Bandholz an, das vom NABU Garten in Walldorf aus zu Fuß leicht zu erreichen ist.

Die ehemalige Sandgrube Zugmantel Bandholz wurde 1995 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, nachdem sich in den Jahren nach Aufgabe des Sandabbaus an der Sohle der ehemaligen Sandgrube eine interessantes Feuchtgebiet ausgebildet hatte. 

Wegen Absinkens des Grundwasserspiegels ist der ursprünglich Reichtum an Amphibien und seltenen Vögeln nicht mehr in dem Masse vorhanden. Dennoch birgt das NSG auch heute noch eine interessante Mischung aus feuchten und trockenen Standorten mit einer vielfältigen Flora und Fauna.

Bei sonnigem Wetter sollten Wildbienen, Grabwespen und Dünen-Sandlaufkäfer zu beobachten sein. An den Böschungen trifft man Silbergras, Steppen-Wolfsmilch und Sand-Thymian an. 

Dauer der Exkursion ca. zwei Stunden.

 

Blick von der Aussichtsplattform Richtung Südosten.


Exkursionen des NABU Walldorf-Sandhausen

Download
Artenliste Exkursion
Lister der auf der Exkursion zur Pflege Schönau gefundenen Arten.
NABU Exkursion Pflege Schoenau Artenlist
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Wolfsmilchspanner - Bocks-Riemenzunge - Gewöhnliche Hundszunge - Cnephasia-Raupe - Totenkopf-Schwebfliege auf Weißdorn - Gehöckerte Krabbenspinne mit Beute - Platterbsen-Wicke -  Rotköpfiger Feuerkäfer - Zauneidechse, Männchen - Blindschleiche


Exkursion am 6. Mai 2017 auf die Pflege Schönau

 

Treffen ist am Samstag, den 6. Mai 2017, um 10:00 Uhr auf dem Parkplatz am Waldfriedhof Sandhausen.

Wir werden ca. einen Kilometer zur Pflege Schönau laufen, wo wir unter anderem die neuen Pflegemassnahmen in Augenschein nehmen können.

Im Mai blühen dort bereits einige Spezialisten, wie die Steppen-Wolfsmilch, das Sand-Steinkraut, aber auch die Zypressen-Wolfsmilch. Bei warmen Wetter sind auch typische Insekten zu beobachten.

 

Bei Dauerregen findet die Exkursion nicht statt.

 

Anmeldung unter 06224/922499 oder via email peter_weiser(at)t-online.de - oder einfach vorbeikommen.