Auch die Bechsteinfledermaus ist betroffen

Für mehr Parkplätze und zwei weitere Trainingsplätze am SVS-Stadion sollen 2,7 Hektar des Regionalen Waldschutzgebietes Schwetzinger Hardt abgeholzt werden. Hierzu haben BUND Sandhausen und NABU Walldorf-Sandhausen im Rahmen des Änderungsverfahrens „Sportzentrum Süd“ eine gemeinsame Stellungnahme abgegeben (siehe unten).

Der Bebauungsplan "Sportzentrum Süd" steht im krassen Gegensatz zu der Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Regionale Waldschutzgebiet und Erholungswald ‚Schwetzinger Hardt‘ vom 5. November 2013. Darin heißt es: „Im Erholungswald sind alle Handlungen verboten, die den Erholungswert des Waldgebietes mindern, die Erholung anderer Waldbesucher beeinträchtigen oder die Belange von Naturschutz, Landschaftspflege und Forstwirtschaft negativ beeinflussen können.“

Die Ausweisung hatte gute Gründe und die örtlichen Naturschutzverbände begrüßen, dass dieses Waldgebiet unter einen besonderen Schutz gestellt wurde. Als ein „Waldgebiet für alle“ hat das Kreisforstamt die Schwetzinger Hardt bezeichnet. Ein so großes Waldgebiet in der dicht besiedelten und ansonsten waldarmen Rheinebene ist etwas Besonderes und schützenswert, sowohl für den Menschen als auch als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Es wäre ein Präzedenzfall, der weitere Begehrlichkeiten nach sich ziehen könnte.

Schon jetzt hat der Forst alle Hände voll zu tun, die durch Trockenheit und Sturm entstandenen Lücken zu schließen. Und es ist ja nicht die erste Waldfläche, die für eine Erweiterung des Sportzentrums in Anspruch genommen wird.

Der Wald auf der Erweiterungsfläche ist laut Umweltbericht Lebensraum zahlreicher Fledermäuse, auch der streng geschützen Bachsteinfledermaus. Die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen können den Verlust der
Quartiere und Jagdhabitate nicht ersetzen.


Die örtlichen Naturschutzgruppen unterstützen die Bürgerinitiative Pro Waldschutz.

 

Alle Infos unter: www.pro-waldschutz.de

Und hier unsere Stellungnahme:


Bechsteinfledermaus      Foto: NABU / Dietmar Nill


Parkplätze und Sandrasen sind nicht das Gleiche!

Erwiderung auf die Stellungnahme „20 Fußballfelder Sandrasenfläche auf der Brühlwegdüne“ in den Gemeindenachrichten Sandhausen vom 28. Juni

 

Wir begrüßen, dass die größte Fraktion im Gemeinderat Sandhausen anerkennt, dass mit dem neuen Naturschutzgebiet „Brühlwegdüne“ ökologisch wertvolle Sandrasen geschaffen werden sollen, die vom Aussterben bedrohten Pflanzen- und Tierarten ein Refugium bieten. Ebenso freut es uns, dass sie den Beschluss für die Umsetzung dieses „in der Bundesrepublik so einmaligen Projektes“ mitträgt.

 

Die Kritik am Engagement der Umweltverbände für das geplante Naturschutzgebiet „Brühlwegdüne“ wie auch für den Erhalt des „Regionalen Waldschutzgebietes Schwetzinger Hardt“ weisen wir dagegen entschieden zurück.

 

Richtig ist: In beiden Fällen soll Wald gerodet werden. Es macht aber einen bedeutenden Unterschied, ob Bäume im Waldschutzgebiet für Parkplätze fallen oder ob sie in einem Wirtschaftswald seltenen Sandrasenarten wie Sandthymian und Steppenbienchen weichen.

 

Das Erstaunen darüber, dass Bürger offensichtlich in der Lage sind, hier zu differenzieren, gibt doch sehr zu denken.

 

Und wie so oft, kommt es ganz erheblich auf die Lage an. Das neue Naturschutzgebiet entsteht auf demselben Dünenzug wie die Pferdstriebdüne, hier herrschen ähnlich günstige Bedingungen für Dünenarten. Wir brauchen beides: Wald für den Klimaschutz und Naturschutzgebiete für den Erhalt der Artenvielfalt.

 

Es ist auch ein Verdienst des NABU, die Wahrnehmung der auf den ersten Blick oft unscheinbaren heimischen Naturschätze und das Bewusstsein für ihren Wert gefördert zu haben und weiter zu fördern. Mit Exkursionen, Vorträgen, Fotos, Berichten und viel Herzblut teilt besonders NABU-Mitglied und Naturschutzwart Peter Weiser seine Faszination immer wieder gern. Die nächste Exkursion bietet er übrigens am 6. Juli mit Manfred Löscher für die VHS an. Es sind noch wenige Plätze frei…

 

An der Ausweisung des Naturschutzgebietes "Brühlwegdüne" ist die örtliche NABU-Gruppe nicht beteiligt und kennt daher auch nicht die Details. Wir würden uns wünschen, dass die Gemeinde gründlich über die geplanten Maßnahmen informiert, die ja doch einen erheblichen Eingriff darstellen. Warum so viele Bäume für den Naturschutz fallen müssen, muss man den Leuten erklären, auch, um nicht den nächsten Konflikt zu provozieren.

 

Immerhin ist Dünen-Experte Andre Baumann im Mai eingesprungen und hat auf Einladung der Alternativen Liste Sandhausen bei einer öffentlichen Begehung die Maßnahmen und ihren Sinn sowie das stufenweise Vorgehen erläutert. Dies wäre auch eine Gelegenheit für interessierte Gemeinderäte gewesen, mögliche Fragen zu klären. Schließlich kennt sich Andre Baumann bestens aus, war er doch - damals noch als NABU-Landesvorsitzender - maßgeblich an dem L 600-Kompromiss beteiligt, der einen jahrzehntelangen Streit um die Ausgleichsmaßnahmen bereinigte.

 

Wäre der Fraktion ein Rückbau der L 600 denn lieber gewesen, als das neue Naturschutzgebiet?

 

Dennoch bleiben zugegebenermaßen Fragen, die auch uns interessieren. In den Vorlagen steht, dass neben einem Teil des Waldes auch die vorhandenen Habitatbäume erhalten bleiben. Was findet sich denn Schützenswertes in diesem Wald? Gibt es Baumbrüter, Fledermäuse oder andere schützenswerte Arten? Und wenn ja, wie lässt sich sicherstellen, dass sie nicht zu Schaden kommen?