Volksbegehren mit neuem Gesetz am Ziel

Ein schöner Tag für den Naturschutz und ein großer Erfolg für das auch vom NABU Baden-Württemberg mitgetragene Volksbegehren ProBiene :

Der Landtag hat die Änderungen des Naturschutzgesetzes sowie des Landwirtschafts- und Landeskulturgesetzes verabschiedet: Damit gibt es künftig weniger Pestizide auf unseren Feldern, mehr Ökolandbau und Biotopvernetzung, Schutz von Streuobstwiesen und bäuerlichen Strukturen und und nicht zuletzt ein Verbot von Schottergärten. Mit dem neuen Gesetz hat das Land Rettungsringe für Insekten, Agrarvögel und andere bedrohte Arten ausgeworfen. Das ist ein großer Erfolg auch für nachhaltige Landwirtschaft und zeigt, dass der Dialog Früchte trägt.

Hier geht's zur Mitteilung des Landesverbandes:

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2020/juli/28422.html

 

Foto: Peter Weiser


Rettet die Bienen

 

Keine weitere Mobilisierung mehr zum Volksbegehren Artenschutz

 

Mitteilung vom NABU Baden-Würtemberg

 

 

Die Halbierung der Pestizide, deutlich mehr Öko-Landbau und mehr Lebensräume: Baden-Württemberg hat einen ambitionierten Gesetzentwurf gegen das Arten- und Höfesterben auf den Weg gebracht. Zu diesem Ergebnis kommt der Trägerkreis des Volksbegehrens Artenschutz – „Rettet die Bienen“ und hat einstimmig beschlossen, den von den Ministern präsentierten Gesetzentwurf für mehr Artenschutz als Alternative zum ursprünglich gestarteten Volksbegehren zu akzeptieren. Daraus folgt, dass die Mobilisierung für das Volksbegehren, die seit dem 15. Oktober ruht, nicht wieder aufgenommen wird.

„Das Volksbegehren war ganz eindeutig die Initialzündung für die Debatte zum Thema Artenschutz in den vergangenen Wochen“, sagt Volksbegehrens-Sprecher und NABU-Landeschef Johannes Enssle. „Sie hat aber auch zu einer Polarisierung zwischen einigen Vertretern der Landwirtschaft und der Gesellschaft geführt, die wir durch den jetzigen Kompromiss hoffentlich beilegen können.“ Für die Entscheidung, die Mobilisierung nicht wieder aufzunehmen, waren zwei Punkte entscheidend: Zum einen hat die Landesregierung in einem ungewöhnlich offenen Arbeitsprozess in kurzer Zeit aus den recht allgemeinen Eckpunkten zum Artenschutz einen konkreten Gesetzentwurf geformt. Zum anderen tragen die wesentlichen Landwirtschaftsverbände diesen Entwurf mit. Die Organisationen des bisherigen Trägerkreises werden weiter zusammenarbeiten, um darauf zu achten, dass aus dem Gesetzentwurf schnellstmöglich und ohne weitere Verwässerungen ein Gesetz wird.

Die Landesregierung hat sich in einigen bislang umstrittenen Punkten eindeutig positioniert. Bei Themen wie Pestizidreduktion oder Ausbau der Öko-Landwirtschaft kann Baden-Württemberg dank der Volksbegehrens-Initiative zum Muster-Ländle werden – und das zusammen mit den Landwirten, die auf dem Weg dahin durch Förderprogramme und eine intensivere staatliche Pflanzenschutz-Beratung unterstützt werden sollen.

Mehr Lebensräume, weniger Pestizide – die Eckpunkte im Überblick

Ausgehend von einem Eckpunktepapier, das die Landesregierung im Oktober vorgestellt hat, sollen bis Frühjahr nun unter anderem diese Punkte in Gesetze umgesetzt werden:

• Mehr Rückzugsflächen: Damit gefährdete Arten sichere Rückzugsräume haben, soll auf zehn Prozent der Landesfläche ein zusammenhängender Schutzraum („Biotopverbund“) entstehen. Streuobstwiesen, die besonders wichtig für die Artenvielfalt sind, werden besser geschützt und dort erwirtschaftete Produkte besser vermarktet.

• Schutz in Schutzgebieten: In baden-württembergischen Schutzgebieten gibt es künftig nur noch Integrierten Anbau oder Öko-Anbau. In Naturschutzgebieten, das sind etwa zwei Prozent der Landesfläche, werden Pestizide ganz verboten. In allen anderen Schutzgebieten müssen Landwirtinnen und Landwirte künftig nach dem Integrierten Anbau arbeiten – also zum Beispiel Pestizide nur noch einsetzen, wenn bestimmte Schädlinge nachgewiesen sind oder auf resistente Sorten setzen.

• Mehr Öko-Anbau: Die Landesregierung steigt deutlich beherzter als bisher in die Förderung des Bio-Anbaus und die Vermarktung regionaler Bio-Lebensmittel ein. Ökolandbau ist nachweislich nicht nur besser für die Artenvielfalt – sondern stärkt auch die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe. Das Land nimmt nun mehr Geld als bisher vorgesehen in den Haushalt, um das zu fördern. Zudem stellt das Land seine eigenen Landwirtschaftsbetriebe schnellstmöglich auf Öko-Anbau um.

• Weniger Gifte: Das Land bekennt sich zu einer verbindlichen Pestizidreduktion. Bis 2030 sollen 40 bis 50 Prozent der chemisch-synthetischen Pestizide im Land eingespart werden. Indem Landwirtinnen und Landwirte beim Einsatz von Spartechniken unterstützt werden, aber auch indem Kommunen, Privatgärtner und Industrie künftig auf solche Gifte verzichten.

• Grün statt Grau: Privatgärtner werden angehalten, statt Schottergärten wieder sinnvolle Gärten anzulegen. Zudem wird die Lichtverschmutzung bekämpft.

Auch wenn der Trägerkreis des Volksbegehrens wird nicht mehr aktiv für das laufende Volksbegehren „Rettet die Bienen“ mobilisiert, läuft aus formal-juristischen Gründen das Volksbegehren bis zum 23. März 2020 weiter.

Weitere Informationen zum Volksbegehren finden Sie unter www.volksbegehren-artenschutz.de.


Eine andere Agrarpolitik für Europa

Nutzungsintensivierung, Ausräumung der Landschaft, Massentierhaltung, Pestizideinsatz und Überdüngung – all dies hat zu einem massiven Verlust von Artenvielfalt, sowie zur Belastung von Wasser, Böden und Klima geführt. Eine wesentliche Verantwortung für diese Entwicklung trägt die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP).

Subventionen setzen falsche Anreize

 

Derzeit fließen fast 40 Prozent des EU-Haushaltes, jährlich rund 60 Milliarden Euro, in die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP). Doch diese Subventionen sind ineffizient und zu einem großen Teil umweltschädlich. Sie werden nämlich überwiegend nach dem „Gießkannenprinzip“ ausgezahlt, mittels pauschaler Flächenprämien ohne konkrete Gegenleistung. Dadurch macht es für die meisten Landwirte wirtschaftlich Sinn, möglichst viel zu produzieren. Die Intensivierung wird verstärkt durch niedrige Lebensmittelpreise und die Exportorientierung der Politik – Masse statt Klasse. Die Umwelt bleibt auf der Strecke. Naturverträglich zu arbeiten, lohnt sich dagegen nur für wenige Betriebe. Das muss sich dringend ändern, und dazu gibt es jetzt die Chance. Die Zukunft der GAP nach 2020 wird derzeit EU-weit diskutiert und verhandelt.

 

Fair, naturverträglich, gesund und global verantwortungsvoll

 

Über die globalen Nachhaltigkeitsziele haben sich Deutschland und die ganze EU zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bis 2030 verpflichtet. Dies bedeutet, dass die Landwirtschaft keine Schäden mehr an Artenvielfalt und Klima anrichten darf – und dass nachhaltig wirtschaftenden Betrieben eine Zukunft gegeben werden muss. Gleichzeitig muss in einen fairen Handel bei uns und weltweit, sowie in die Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln investiert werden – und in die Minimierung der Lebensmittelverschwendung.

 

Die Politik ist am Zug

 

Um diese Vision umzusetzen, brauchen wir eine grundlegende Veränderung unseres Agrarsystems. Landwirte müssen in die Lage versetzt werden, gutes Essen naturverträglich zu produzieren – und dafür einen fairen Preis zu bekommen. Schon jetzt kann jeder einzelne von uns viele Schritte in diese Richtung tun – durch die Art wie wir uns ernähren und was wir einkaufen. Auch der Handel und die Landwirte selbst können viel ändern. Doch die eigentliche Wende kann nur durch die Politik erreicht werden – sie darf die Verantwortung weder auf Verbraucher noch Bäuerinnen und Bauern abwälzen. Denn diese stehen meist unter großen ökonomischen Zwängen.

 

Investieren in eine Agrar- und Ernährungswende bis 2030

 

Der NABU fordert deshalb gemeinsam mit seinen europäischen Partnerorganisationen die gegenwärtige Gemeinsame Agrarpolitik der EU ab 2021 vollständig zu ersetzen. An ihre Stelle muss eine neue Ernährungs- und Landnutzungspolitik treten, die eine nachhaltige, sich langfristig selbst tragende Lebensmittelproduktion aufbaut, die hohen Umwelt- und Tierschutzstandards genügt und faire Preise erzielt. Teil dieser Politik muss die ausreichende Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen von Landnutzern und anderen Akteuren sein.

 

 

Quelle: NABU Bund

NABU fordert Agrarwende


NABU-Landeschef fordert Unterstützung für Schäferinnen und Schäfer

Die Schäferei ist für Lea Wohlfarth ein Traumberuf                           Foto: Sabine Hebbelmann

Stuttgart – „Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch hat vollkommen recht: Schafe sind gut für Baden-Württemberg! Die Schäferinnen und Schäfer in unserem Land leisten einen unschätzbaren Beitrag für die Pflege und den Erhalt unserer heimischen Kulturlandschaft“, betont der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. „Wacholderheiden und Magerrasen wären ohne die vierbeinigen Rasenmäher kaum denkbar. Viele Schäfereibetriebe arbeiten jedoch am Existenzlimit.“

 

Der NABU fordert deshalb eine bessere Vergütung der Leistungen der Schäferinnen und Schäfer im Bereich der Landschaftspflege, zum Beispiel durch die Einführung einer Weideprämie für die extensive Weidetierhaltung. Auch bei der Vermarktung und Verarbeitung heimischer Schafprodukte, insbesondere bei der Schafwolle, brauche es dringend Initiativen, da der Markt für heimische Wolle derzeit am Boden liege, sagt Enssle. „Auch im Zuge der Bioökonomiestrategie des Landes sollte Schafwolle wissenschaftlich berücksichtigt werden. Daraus könnte sich langfristig ein neuer Absatzmarkt ergeben.“ 

Quelle: NABU BW


EU steht zu Naturschutzrichtlinien

 Die Grüne Flussjungfer ist aufgrund ihrer engen Bindung an naturnahe und nur gering mit Schadstoffen belastete Fließgewässer nach 1950 aus weiten Teilen Mitteleuropas verschwunden. Einer der wenigen Bäche, an denen die prächtige Großlibelle noch vorkommt, ist der Hardtbach zwischen Walldorf und Sandhausen.

    Für die seltene Libelle, die über die Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie der EU geschützt ist, gibt es jetzt gute Nachrichten aus Brüssel: Nach zähen Verhandlungen hat die EU-Kommission endlich eine Entscheidung gefällt – für die Natur. Die beiden wichtigsten Naturschutzgesetze, die Vogelschutz- und die FFH-Richtlinie, bleiben erhalten. Jetzt gilt es, rasch die Umsetzung zu verbessern.

    Das Kollegium der 28 EU-Kommissare unter Jean-Claude Juncker beendete damit eine heftige Debatte, die der Präsident vor über zwei Jahren selbst gestartet hatte: Unter dem Vorwand der „Entbürokratisierung“ hatte Juncker seinen Umweltkommissar Vella aufgefordert, eine „Modernisierung und Verschmelzung“ der beiden Richtlinien zu prüfen.

    Im vergangenen Jahr hatte eine Bürgerbefragung der EU zu den Naturschutzrichtlinien zu einer Rekordbeteiligung geführt. Über eine halbe Million Menschen, darunter auch Mitglieder des örtlichen NABU, nahmen daran teil. Fast alle forderten die Beibehaltung der Richtlinien. Im Anschluss forderten auch das EU-Parlament und der Rat der Umweltminister die Kommission auf, die Richtlinien nicht zu ändern, sondern besser umzusetzen und zu finanzieren.

   Der NABU Walldorf-Sandhausen begrüßt die Entscheidung. Mitglied und Naturschutzwart Peter Weiser sagt: "Insbesondere die FFH-Richtlinie hat für viele Arten zu einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensräume geführt. Ohne weiteren Schutz und Sensibsibilisierung der Öffentlichkeit durch FFH-Gebiete wären Arten wie die wunderschöne Grüne Flußjungfer auf Dauer nicht im Bestand gesichert."

NABU/heb

Foto: Peter Weiser

 


Ländle würde profitieren

Stuttgart – „Gerade in Baden-Württemberg würden viele landwirtschaftliche Betriebe von einer Umstellung der Agrarförderung profitieren: weg vom Gießkannenprinzip, hin zur Förderung von Leistungen für Natur und Gesellschaft “, sagt Jochen Goedecke, Landwirtschaftsreferent des NABU Baden-Württemberg, im Hinblick auf das heute vom NABU-Bundesverband in Berlin vorgelegte neue Modell für die EU-Agrarförderung. Bisher würden diese Leistungen nicht adäquat anerkannt.

www.NABU.de/agrarreform2021


NABU in Sorge um Streuobstwiesen

Niedrige Obstpreise gefährden biologische Vielfalt

 

Stuttgart – Anlässlich des Streuobstsymposiums in Nagold verleiht der NABU seiner Sorge um die Streuobstbestände im Land Ausdruck: „Im Streuobstland Baden-Württemberg zahlen die Keltereien dieses Jahr in der Regel nur zwischen 5,50 und neun Euro pro Doppelzentner Früchte“, berichtet NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke. Dabei zeigen die Kostenkalkulationen des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst, dass Preise zwischen 20 und 25 Euro pro Doppelzentner notwendig sind, damit sich der Streuobstbau betriebswirtschaftlich rechnet. Ein Doppelzentner entspricht 100 Kilogramm.

 

„Die niedrigen Obstpreise sind eine wesentliche Ursache dafür, dass Streuobstwiesen vielerorts mehr schlecht als recht gepflegt werden“, ist Goedecke überzeugt. Nach Einschätzung des NABU können Hilfsbestrebungen wie Baumschnittkurse oder finanzielle Fördermaßnahmen ihre Wirkung für die biologische Vielfalt im Land so lange nicht richtig entfalten, wie die Streuobstpreise im Keller bleiben. „Mittelfristig ist ein Großteil der Bestände gefährdet – und damit der Lebensraum von mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten.“

 

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, unterstützt auch der NABU die sogenannte Aufpreisvermarktung. Dabei erhalten Landwirtinnen und Landwirte sowie andere Bewirtschaftende einen Aufpreis für ihr Obst, wenn Sie sich verpflichten, nur Äpfel und Birnen von Hochstamm-Obstbäumen anzuliefern, keine synthetischen Pestizide oder synthetischen Düngemittel einzusetzen und das Obst regional zu verwerten. „Es gilt gemeinsam Verantwortung für unsere Kulturlandschaft zu übernehmen. Wichtig ist, dass auch Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, etwa zehn bis 15 Cent mehr pro Liter zum Beispiel für Streuobstapfelsaft aus der Region zu zahlen“, betonte Goedecke beim Streuobstsymposium, das der NABU und die Stadt Nagold gemeinsam organisiert haben.

Quelle: NABU Baden-Württemberg

 

Schon seit 1988 unterstützt der NABU mit dem Streuobst-Qualitätszeichen, das hochwertige Streuobstprodukte garantiert, die Erzeugerseite und schafft Transparenz für Käuferinnen und Käufer.

 

Quelle: NABU Baden-Württemberg

Foto: Hebbelmann


Stellungnahme zu TTIP und CETA

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Milchwirtschaft: Zielgerichtete Anreize setzen

 

Die auf Bundesebene angekündigten Soforthilfen für die Milchwirtschaft und die heutige Forderung der Unions-Fraktionsspitzen nach deren Ausweitung gehen nach Einschätzung des NABU Baden-Württemberg am Ziel vorbei. „Das eigentliche grundlegende Problem ist die zu große Milchmenge. Wenn es staatliche Hilfen gibt, müssen sie da ansetzen und eine Reduktion bewirken“, sagt NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke. „Gerade nicht zielführend ist es, Gelder per Gießkannen-Prinzip an alle Milchproduzenten zu verteilen.“
Stattdessen sei etwa die Fütterung ein Hebel, der sich schnell und einfach umlegen lasse: „Die Gleichung ist simpel: weniger Kraftfutter, weniger Milch“, sagt Goedecke. Sinnvoll könne etwa eine gezielte Förderung von Landwirtinnen und Landwirten sein, die auf Kraftfutter verzichten, das oftmals aus importierten und genetisch veränderten Pflanzen besteht. „So lässt sich die Reduktion der Milchmenge ohne Mehrkosten mit ökologischen Zielen verbinden.“ Denn wenn Kühe ganz traditionell Grünfutter zu fressen bekommen und die Wiesen zudem nachhaltig bewirtschaftet werden, könne das ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt des dahinschwindenden artenreichen Grünlands sein.

NABU Baden-Württemberg

Auf der Alm    Foto: heb


NABU: Nachhaltiges Bauen ist Gebot der Stunde     

 

Stuttgart – Nach der Auftaktveranstaltung (25.7.2016) zur Wohnraum-Allianz sagt der Geschäftsführende NABU-Landesvorstand Hans-Peter Kleemann: „Viele Menschen in Baden-Württemberg benötigen preisgünstigen, ausreichenden und gesunden Wohnraum. Der NABU begrüßt deshalb die heutige Initiative von Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut. Es ist sicher notwendig, auch bisher noch nicht eingeschlagene Wege zu prüfen und auch zu gehen, um die Wohnraumversorgung im reichen Baden-Württemberg als Vorrangziel umzusetzen. In jedem Fall ist dabei die Orientierung am Prinzip der Nachhaltigkeit wesentlich.“ Zu den möglichen Ansätzen gehörten sowohl neue Strategien bei der Belegung leer stehender Wohnflächen als auch die Überprüfung des tatsächlich notwendigen Wohnflächenbedarfs. „Lieber klein und fein – sowie bezahlbar – statt überdimensioniert und dementsprechend teuer“, sagt Kleemann.

 

Eine klare Absage erteilt der NABU Überlegungen aus der Bauwirtschaft, durch Demontage baugesetzlicher Bestimmungen und Reduktion der Anforderungen an Umweltschutzbelange – etwa bei der Wärmedämmung – die „Not der Stunde“ zu Gunsten zukunftsfeindlicher Entwicklungen zu nutzen. „Nachhaltiges Bauen ist das Gebot der Stunde“, betont Kleemann. Ebenso strikt setze sich der NABU für eine Neuorientierung des Städte- und Siedlungsbaus in bestehenden Stadtplanungsgrenzen ein und sehe dabei auch die Notwendigkeit, das Übermaß von Kfz-Verkehrsflächen deutlich zu reduzieren. „Die Überbauung dieser Verkehrsflächen muss Vorrang vor der Ausweisung und Überbauung von Freiflächen haben“, betont Kleemann.

 

NABU Baden-Württemberg


Naturschutz am Kühlregal

Landwirtschaft hat Verantwortung für biologische Vielfalt

- Politik und Verbraucherentscheidungen können Artenvielfalt unterstützen

 

Stuttgart – Um dem massiven Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft entgegenzuwirken, braucht es nach Einschätzung des NABU vereinte Anstrengungen von Politik sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern. Nur dann bieten sich in allen landwirtschaftlichen Bereichen realistische Chancen, den galoppierenden Biodiversitätsverlust aufzuhalten. „Das gilt auch für die Milchwirtschaft. Denn sie beeinflusst unsere Natur erheblich – je nach Wirtschaftsweise positiv oder negativ“, sagt NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke. So fördere die traditionelle Milchwirtschaft mit Weidegang und Heuwiesen die Artenvielfalt, weil auf den damit entstehenden Wiesen und Weiden viele Pflanzen- und Tierarten eine Heimat finden. Die intensive, „quasi-industrielle Milchwirtschaft“ dagegen sei für den Verlust von Biodiversität mitverantwortlich, weil gentechnisch verändertes Kraftfutter importiert und heimisches Grünland zu intensiv bewirtschaftet wird.

 

„Wenn die Politik die Rahmenbedingungen verändert und wir alle beim Einkaufen am Kühlregal nicht zur billigsten, sondern zur naturverträglichen Milch greifen, trägt das dazu bei, dass Acker-Hundskamille, Echter Frauenspiegel oder Acker-Löwenmaul nicht für immer aus unserer Kulturlandschaft verschwinden“, betont Goedecke anlässlich des Tags der Milch. Wer Milch von kleinen Familienbetrieben oder aus Bio-Bewirtschaftung in den Einkaufswagen packe, könne davon ausgehen, dass das Futter für die Kühe zum größten Teil vom eigenen Betrieb stammt, keine Gentechnik enthält und ohne Pestizideinsatz gewachsen ist. Milch und Milchprodukte von regional ansässigen Bio-Betrieben gebe es auch im Lebensmitteleinzelhandel. „Wenn es am Angebot fehlt, hilft penetrantes Nachfragen“, rät Goedecke. Es sei ein Stück weit nachvollziehbar, dass bei Milchpreisen von nur rund 20 Cent pro Liter bei Landwirtinnen und Landwirten das Thema biologische Vielfalt gegenüber unmittelbaren Existenzängsten in den Hintergrund trete, sagt der Landwirtschaftsexperte. „Es sollte aber allen bewusst sein: Verbraucherinnen und Verbraucher können mit ihrer Kaufentscheidung etwas für die biologische Vielfalt auf unseren Äckern und Wiesen tun.“

 

Neben den Verbraucherinnen und Verbrauchern sieht der NABU die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen für eine naturverträgliche Landwirtschaft und für eine rentable Milchproduktion zu verbessern: „Laut Koalitionsvertrag will die neue Landesregierung die Milchviehhalter im Land unterstützen“, erläutert Goedecke. „Dieses Ziel gilt es jetzt in konsequentes Handeln zu übersetzen. Das heißt beispielsweise ganz konkret: Die neue Landesregierung muss dafür sorgen, dass auch jenen Landwirtinnen und Landwirten Unterstützung und Wertschätzung zukommt, die in schwer zu bewirtschaftenden Steillagen Milchvieh halten, die so charakteristisch für Baden-Württemberg sind – etwa im Schwarzwald. Hier gilt es zum Beispiel bei der ‚Ausgleichszulage Landwirtschaft‘ die Zuwendungen zu erhöhen.“ Zudem müssen Beratung und Unterstützung bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft weiter konsequent ausgebaut werden.

 

Hintergrund: Zahlen

Deutschland produziert als größtes Milcherzeugerland der Europäischen Union 31,87 Millionen Tonnen Milch pro Jahr. In Baden-Württemberg ist die Zahl der Milchkühe von 1994 bis 2014 um 31 Prozent gesunken, trotzdem ist die produzierte Milchmenge mit 2,4 Millionen Tonnen praktisch gleich geblieben. Der Anteil erzeugter Bio-Milch an der gesamten Milchmenge in Baden-Württemberg liegt bei etwa fünf Prozent. (Quellen: Deutscher Bauernverband, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter)

 

NABU Baden-Württemberg


Südwest-Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“

Wachsende Unterstützung für NABU-Mitmachaktion / Fachleute in Sorge um Mehlschwalbe & Co.

 

Stuttgart – Über 90.000 Vögel haben ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei der NABU-Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“ in Baden-Württembergs Städten und Dörfern gezählt. Knapp 4.000 Menschen und damit rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr hatten der Natur dazu am Pfingstwochenende eine Stunde ihrer Zeit geschenkt. Auf Platz Eins landet der Haussperling, gefolgt von Kohlmeise, Amsel, Blaumeise und Feldsperling. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es in den Top Fünf damit nur eine Verschiebung: Kohlmeise und Amsel haben die Plätze getauscht.

 

„Die Stunde der Gartenvögel liefert über die Jahre flächendeckende Informationen darüber, wie es den verschiedenen Vogelarten geht. Und die Zahlen machen deutlich, wo dringend etwas getan werden muss“, sagt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Großen Anlass zur Sorge liefert der deutliche Abwärtstrend bei den Gebäudebrütern: „Die Vögel haben sich über die Jahrhunderte hinweg als Kulturfolger im Siedlungsraum eingerichtet und mit uns Menschen arrangiert. Aber gerade Mehlschwalben und Mauersegler werden immer seltener gezählt, Rauchschwalben wurden in neun Landkreisen überhaupt nicht gesichtet.“

 

Dabei wäre ihnen nach Überzeugung des Vogel-Fachmanns mit Toleranz und gutem Willen leicht geholfen. „Leider fallen immer wieder Nester Renovierungsarbeiten oder falsch verstandener Hygiene zum Opfer – obwohl es verboten ist, sie zu entfernen oder zu zerstören.“ Hinzu kommt, dass es immer weniger Insekten gibt und damit Nahrung für die Flugakrobaten knapp wird. Denn sie ernähren sich vom sogenannten Luftplankton, also von Insekten, die der Wind aus einem großen Einzugsgebiet in hohe Luftschichten verfrachtet und dort gleichmäßig verteilt. „Der massive Einsatz von Insektengiften in der Landwirtschaft, aber auch in vielen Gärten, muss sich ändern“, sagt Bosch.

 

Licht am Horizont zeigt sich hingegen im Stieglitz-Jahr bei den Finkenvögeln. Der Stieglitz – auch bekannt als Distelfink – wird trotz seines Promi-Status als Vogel des Jahres zwar relativ selten gesichtet und landet auf Platz 19. Der NABU-Experte führt dies in erster Linie auf seine zurückgezogene Lebensweise zurück. In Baden-Württemberg liegen die Zahlen etwas über dem Bundesdurchschnitt. Beim Grünfink (Platz 11) ist der Trend stabil, der Absturz nach dem Finkensterben der letzten Jahre scheint gestoppt. Bosch schließt daraus, dass es Jahre braucht, bis die Effekte von Krankheitserregern sich nicht mehr in den Zahlen niederschlagen. Umso wichtiger sei die Hygiene am Futterhaus, appelliert er an Vogelfreundinnen und -freunde.

 

NABU Baden-Württemberg

Milchwirtschaft: NABU BW für zielgerichtete Anreize statt Förderung nach dem Gießkannen-Prinzip

 

Stuttgart – Die auf Bundesebene angekündigten Soforthilfen für die Milchwirtschaft und die heutige Forderung der Unions-Fraktionsspitzen nach deren Ausweitung gehen nach Einschätzung des NABU Baden-Württemberg am Ziel vorbei. „Das eigentliche grundlegende Problem ist die zu große Milchmenge. Wenn es staatliche Hilfen gibt, müssen sie da ansetzen und eine Reduktion bewirken“, sagt NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke. „Gerade nicht zielführend ist es, Gelder per Gießkannen-Prinzip an alle Milchproduzenten zu verteilen.“

 

Stattdessen sei etwa die Fütterung ein Hebel, der sich schnell und einfach umlegen lasse: „Die Gleichung ist simpel: weniger Kraftfutter, weniger Milch“, sagt Goedecke. Sinnvoll könne etwa eine gezielte Förderung von Landwirtinnen und Landwirten sein, die auf Kraftfutter verzichten, das oftmals aus importierten und genetisch veränderten Pflanzen besteht. „So lässt sich die Reduktion der Milchmenge ohne Mehrkosten mit ökologischen Zielen verbinden.“ Denn wenn Kühe ganz traditionell Grünfutter zu fressen bekommen und die Wiesen zudem nachhaltig bewirtschaftet werden, könne das ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt des dahinschwindenden artenreichen Grünlands sein.

 

NABU Baden-Württemberg

 

NABU: Nachwuchs braucht Rücksicht

Wege beachten / Hunde anleinen / Heckenschnitt verschieben

 

Stuttgart – Für viele Vögel hat die Brutzeit begonnen. Damit der tierische Nachwuchs nicht gefährdet wird, fordert der NABU Naturfreundinnen und -freunde auf, Wege nicht zu verlassen, Hunde an die Leine zu nehmen und mit dem Heckenschnitt zu warten.

 

„Wenn wir querfeldein marschieren oder Hunde unkontrolliert durch Wald, Wiesen und Ackerflächen springen, können auch viele bedrohte Arten wie Feldlerche, Rebhuhn oder Waldlaubsänger nicht erfolgreich brüten“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann. „Eine Feldlerche erkennt nicht, ob eine Spaziergängerin Böses im Schilde führt. Und sie sieht dem Hund nicht an, ob er friedlich seiner Wege geht. Für sie scheint angesichts dieser Eindringlinge in ihren Lebensraum das eigene Leben oder das des Nachwuchses auf dem Spiel zu stehen.“

 

Denn zahlreiche Vogelarten brüten am Boden oder in Bodennähe. Viele dieser Bodenbrüter stehen auf der Roten Liste und sind stark gefährdet. „Die Vögel bauen ihre Nester an Stellen, an denen man sie nicht unbedingt erwarten würde: auf vegetationsarmen Waldlichtungen, Ackerflächen und Wiesen, an Wegrändern oder auch unter Gebüsch in öffentlichen Parks“, berichtet Baumann. Verlassen Elternvögel fluchtartig ihr Gelege, kühlen die Eier rasch aus und sterben ab. Auch Jungvögel kühlen bei nasskaltem Wetter aus oder kollabieren bei Hitze. Müssen die Altvögel sie mehrfach oder für längere Zeit alleine lassen, verhungern sie oder werden für natürliche Feinde zur leichten Beute.

 

„Ungewollt zum Vogelmörder kann man auch im Hausgarten werden“, sagt Baumann. Singvögel wie Amsel, Heckenbraunelle und Zaunkönig brüten oft zwischen schützenden Gehölz. Schneidet man in dieser Zeit Hecken oder Sträucher, können sie so sehr gestört werden, dass sie ihre Brut aufgeben. Deshalb ist es wichtig, mit dem Schnitt bis zum Spätsommer zu warten. „Auf jeden Fall sollte man die Sträucher gründlich nach belegten Nestern absuchen.“ Auch gesetzlich ist man beim Heckenschnitt verpflichtet darauf zu achten, Vögel während der Brut- und Aufzuchtzeit nicht zu stören.

 

Der NABU-Landeschef bittet um mehr Rücksichtnahme beim Spaziergang und im Garten. „Mitunter ist auch ein Hinweis an Mitmenschen sinnvoll. Es kommt immer wieder vor, dass jemand vom Wegegebot im Naturschutzgebiet gar nichts weiß. So mancher Hundehalter ist überrascht, wenn man ihm erzählt, warum sein frei laufender Hund für Bodenbrüter gefährlich werden kann. Und nicht jede Hobbygärtnerin kennt sich automatisch mit den Brutzeiten der Singvögel aus.“

 

NABU Baden-Württemberg


NABU: Baden-Württemberg kann Bio!

NABU-Landeschef Baumann: Landwirtschaftsförderung nach dem Leistungsprinzip / Förderung der Öko-Landwirtschaft auch volkswirtschaftlich sinnvoll

 

Stuttgart – Der NABU freut sich darüber, dass die Bio-Landwirtschaft in Baden-Württemberg auf Wachstumskurs ist, Verbrauchernachfrage und ökologisch bewirtschaftete Fläche zunehmen. „Mit dem Aktionsplan ‚Bio aus Baden-Württemberg‘ hat das Land einen guten Kurs eingeschlagen“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann. „Die jetzt vorgelegten Zahlen zeigen einmal mehr: Es ist richtig und wichtig, Landwirtinnen und Landwirte bei der kostenintensiven Umstellung von konventionell auf Bio zu unterstützen. Langfristig haben von mehr Natur in der Agrarlandschaft schließlich nicht nur die Betriebe selbst etwas. Vor allem können Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren – und die biologische Vielfalt.“

 

„Landwirtinnen und Landwirte wollen die Chancen nutzen, die die naturverträgliche Landwirtschaft bietet: Nachhaltiges Wirtschaften, mehr Natur auf dem Acker, hochwertige Lebensmittel in den Einkaufskörben der Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagt Baumann.

Das habe auch das große Interesse am „ABBI“-Förderpreis gezeigt, den NABU-Bundesverband und Alnatura gerade verliehen haben. Mit diesem Förderpreis der Alnatura Bio-Bauern-Initiative erhalten Betriebe finanzielle Unterstützung für die Umstellung von konventionell auf Bio. Sechs von bundesweit 15 geförderten Betrieben kommen aus Baden-Württemberg.

 

„Die wachsende Verbrauchernachfrage und die Bewegung bei den Landwirtinnen und Landwirten bestärken uns in einer unserer zentralen Forderungen an die wahlkämpfenden Parteien: Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft muss bis 2020 mindestens halbiert werden“, betont Baumann. Derzeit setzt die konventionelle Landwirtschaft in Baden-Württemberg jährlich gut 3.000 Tonnen Pestizid-Wirkstoffe ein. In der Folge sind Böden und Gewässer belastet, gehen Bienenvölker zugrunde, nimmt der Vogelbestand in der Agrarlandschaft weiter ab.

 

„Die biologische Landwirtschaft kann die gesellschaftlichen Folgekosten einer pestizidbasierten, umweltschädigenden Landwirtschaft mindern. Die Förderung der Öko-Landwirtschaft ist somit auch volkswirtschaftlich sinnvoll“, sagt Baumann. Der NABU fordert CDU und FDP auf, die ökologische Landwirtschaft besonders zu fördern. Beide Parteien haben angekündigt, die verbesserte Agrarförderung der biologischen Landwirtschaft wieder abzubauen und konventionelle und ökologische Betriebe gleichermaßen zu fördern. In Richtung CDU und FDP sagt Baumann: „Landwirtschaftsförderung muss nach dem Leistungsprinzip und nicht nach dem Gießkannenprinzip erfolgen: Wer mehr für die Gesellschaft leistet, muss besser gefördert werden.“

 

Nabu-Landesverband BW

 

Siehe hierzu auch unsere Rubrik nachhaltig Genießen!


Stunde der Wintervögel

NABU: Stunde der Wintervögel mit wachsender Beteiligung im Land

Überraschung Erlenzeisig / Sorgenvogel Grünfink / Vogel des Jahres braucht bunte Blühflächen

 

Stuttgart – Mehr Freiwillige haben in mehr Gärten mehr Vögel gezählt – so die positive Bilanz des NABU zur „Stunde der Wintervögel“ in Baden-Württemberg. Über 8.000 Menschen (2015: 7.320) haben in gut 5.300 Gärten (2015: 4.990) insgesamt 222.840 Vögel (2015: 194.093) gezählt. In Sachen Beteiligung belegt Baden-Württemberg damit wieder Platz vier. Nur in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben mehr Menschen bei der großen Aktion mitmacht.

 

Auf den ersten Plätzen gibt es kaum Veränderungen: Der Spatz führt die Rangliste an. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Kohl- und Blaumeise. Neu in die Top Ten aufgerückt ist allerdings der Erlenzeisig – mit über 7.000 gezählten Exemplaren statt gut 1.700 im Vorjahr. „Offensichtlich macht sich auch in den Gärten bemerkbar, dass diese Art seit Oktober verstärkt aus Nord- und Osteuropa nach Mitteleuropa einfliegt“, sagt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Ursache sei vermutlich, dass die Zeisige in Skandinavien im Sommer besonders viele Junge aufgezogen haben, für die das Futterangebot dort im Winter nicht ausreicht.

 

„Ein echter Sorgenvogel ist nach wie vor der Grünfink“, berichtet Bosch. Jedes Jahr würden weniger Exemplare gezählt. Man geht davon aus, dass eine Kombination aus Nahrungsmangel und dem sogenannte Grünfinkensterben der Grund dafür ist. Letzteres wird durch eine Infektion mit Trichomonas gallinae hervorgerufen. Dieser Erreger wird besonders an sommerlichen Futterstellen übertragen, an denen viele Vögel zusammenkommen. Bosch betont: „Das macht einmal mehr deutlich, wie wichtig Hygiene beim Füttern ist.“

 

Ein Gartenvogel, den der NABU 2016 besonders im Blick hat, ist der Stieglitz als „Vogel des Jahres“. Sein Bestand nimmt deutschlandweit stark ab, er schätzt aber winterliche Futterstellen. In Baden-Württemberg hat er sich von Platz 22 im Vorjahr auf Platz 16 verbessert. „Ob das dem diesjährigen Promi-Status als Vogel des Jahres zu verdanken ist oder eine allmähliche Bestandserholung anzeigt, wird sich erweisen“, sagt Bosch. Der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann ergänzt: „Damit Stieglitz und Co. das ganze Jahr satt werden, braucht es bunte Blühflächen mit Wildblumen. Das ist besser als jedes Vogelfutter im Futterhaus.“ Futterstellen im Garten seien zwar eine gute Sache, um der Vogelwelt näher zu kommen und ein Stück Natur zu erleben. „Viel mehr profitieren die Vögel aber von naturnahen Gärten und Grünflächen sowie mehr Natur auf Ackerflächen: bunt blühende Ackerraine und Brachflächen.“

 

Top Ten der Wintervögel in Baden-Württemberg (Vorjahresplatzierung in Klammern):

1.         Haussperling (1)

2.         Kohlmeise (2)

3.         Blaumeise (3)

4.         Feldsperling (5)

5.         Amsel (4)

6.         Buchfink (6)

7.         Grünfink (7)

8.         Elster (8)

9.         Rabenkrähe (9)

10.       Erlenzeisig (23)

 

 

Text: NABU Landesverband

Foto (Stieglitz): Peter Weiser

 

 

Amphibien auf Wanderschaft in Lebensgefahr      

NABU fordert Kröten für die Kröten / Langsam fahren und Froschleben retten

 

Stuttgart – In den letzten Tagen sind in Regionen mit milderen Temperaturen schon die ersten Spring-, Gras- und Moorfrösche auf Wanderschaft gegangen. „Kaum klettern die Nachttemperaturen ein paar Grad über Null, geht das große Krabbeln und Hüpfen los und die Amphibienwanderung beginnt“, berichtet der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann. Die drei braun gefärbten Froscharten („Braunfrösche“) sowie Molche gehören zu den ersten, die aus der Winterstarre erwachen und sich auf den Weg Richtung Laichgewässer machen. Kröten und grüne Frösche folgen etwas später.

 

Auf ihrer bis zu zwei Kilometer langen Reise zu ihren Geburtsgewässern, an denen sie sich fortpflanzen, müssen die Tiere oftmals stark befahrene Straßen überqueren. Dabei kommen alljährlich abertausende Amphibien ums Leben. „Das ist umso dramatischer, als fast alle Amphibien im Ländle auf der Roten Liste stehen“, sagt der NABU-Landesvorsitzende. Auch die Naturschützerinnen und Naturschützer, die Nacht für Nacht die Wanderstrecken betreuen und Kröten und Frösche über die Straßen bringen, geraten immer wieder in gefährliche Situationen.

 

Jetzt schlägt der NABU Alarm: „Die Landesregierung hat ein gutes Konzept erarbeitet, um diesen vielen tödlichen Begegnungen von Amphibien mit dem Autoverkehr ein Ende zu setzen. Dieses ‚Landeskonzept Wiedervernetzung‘ gilt es konsequent umzusetzen“, betont Baumann. „Die für Amphibien gefährlichsten Straßen des Landes müssen bis 2020 sicherer sein. Um das zu erreichen, braucht es in der kommenden Legislaturperiode ein Aktionsprogramm ‚Grüne Infrastruktur‘ und ausreichend Finanzmittel – Kröten für die Kröten!“

 

Daneben können auch alle, die mit dem Auto unterwegs sind, etwas für Amphibien tun. Denn viele Tiere verenden qualvoll, weil Autos schnell fahren. „Schon ab 30 Stundenkilometern erzeugen Fahrzeuge einen so hohen Luftdruck, dass die inneren Organe von Fröschen, Kröten und Molchen platzen“, erklärt NABU-Artenschutzreferent Martin Klatt. „Deshalb ist unsere große Bitte an alle Autofahrerinnen und Autofahrer: Nehmen Sie Rücksicht! Wer auf Amphibienwanderstrecken mit maximal 30 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, hilft Amphibienleben zu retten.“

 

 

Über das ehrenamtliche Engagement:

Um die wandernden Amphibien kümmern sich jedes Jahr aktive Naturschutzinitiativen vor Ort, darunter viele NABU-Gruppen in ganz Baden-Württemberg: Sie stellen am Straßenrand Schutzzäune auf, an denen die Tiere in Eimern gefangen und von freiwilligen Helferinnen und Helfern über die Straße getragen werden. Bis zu geschätzte 400.000 Tiere bewahren Ehrenamtliche so alljährlich vor dem Tod auf der Straße. Wer wissen möchte, wo die Tiere unterwegs sind und wo Hilfe gefragt ist, findet Informationen unter: www.NABU.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/aktion-kroetenwanderung/01031.html

 

Über das „Landeskonzept Wiedervernetzung“:

Im „Landeskonzept Wiedervernetzung an Straßen in Baden-Württemberg“ des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur (MVI) sind die Hotspots der Konflikte von Amphibienwanderstrecken und Straßeninfrastruktur festgehalten. Diese Brennpunkte, an denen besonders viele Amphibien zu Tode kommen, hatte der NABU im Auftrag des MVI ermittelt. „An den Hotspots müssen bevorzugt Krötentunnel beziehungsweise andere dauerhaft funktionierende Querungshilfen gebaut werden“, betont Baumann. Weitere Informationen und eine Übersicht der 40 gefährlichsten Wanderstrecken in Baden-Württemberg: www.mvi.baden-wuerttemberg.de/de/service/publikation/did/landeskonzept-wiedervernetzung-an-strassen-in-baden-wuerttemberg/