NABU will die 'Storchenwiese' als Naturschutzgebiet ausweisen

Wenn es nach dem NABU Walldorf-Sandhausen geht, könnte Walldorf mit der ‚Storchenwiese‘ bald sein erstes Naturschutzgebiet haben. Schon eine ganze Weile ist die örtliche Naturschutzgruppe mit der Stadt im Gespräch. Jetzt stellte Initiator Peter Weiser das Gebiet und seine Besonderheiten bei einer öffentlichen Führung vor.

Vom Hochwasserschutzdamm aus hat man einen guten Blick auf die weitläufige Wiese. Während seit wenigen Jahren im Frühjahr alle vier Storchentürme belegt sind, nisten dieses Jahr auch Störche auf den Hochsitzen und in einer Baumkrone. Doch ist der Wappenvogel des NABU nur ein Teil der vielfältigen Vogelwelt, die sich hier entwickelt hat. Ein Kuckuck übertönt das Quaken der Frösche, Schwarzmilan und Turmfalke kreisen am Himmel und im Schilf versteckt sich ein Graureiher. Maximal zweimal im Jahr wird die Wiese abschnittsweise gemäht, wodurch es ein großes Blütenangebot für Insekten und damit auch Nahrung für Vögel gibt. Die Saumzeile ist Lebensraum für Nachtigal, Mönchsgrasmücke und Neuntöter, zugleich dient das Gestrüpp als natürliche Barriere, die das Betreten verhindert. Regelmäßig lässt sich beim Bach der Eisvogel beobachten. Die drei künstlich angelegten Teiche tragen dazu bei, dass sich hier zweimal im Jahr während des Vogelzuges besondere Gäste einfinden: Watvögel, Bekassinen, Flussuferläufer und Kampfläufer. Silberreiher sehe er regelmäßig und im vergangenen Winter auch einen Seidenreiher, berichtet Weiser und ergänzt: „Dass hier plötzlich neue Arten auftauchen hat auch etwas mit dem Klimawandel zu tun.“

Ziel der Ausweisung ist, einen dauerhaften Schutz des Gebietes mit einem Budget für Pflegemaßnahmen zu erreichen.

"Wir wollen das Gebiet nicht umzäunen und auch sonst nichts verändern, sondern verhindern, dass der

Gebüschrand in die Wiese hineinwächst", so Weiser. Altstadtrat Gerhard Mayer erinnert daran, dass es hier Privatgrundstücke gibt, die einst Maisäcker waren und von der Stadt gepachtet wurden. Mit dem Schutzstatus könne man verhindern, dass die Wiese wieder umgebrochen wird.

Als ein Storch durch den Teich stakst fragt eine Teilnehmerin: „Wie überleben die Frösche bei den Massen an Störchen?“ Die haben wohl auch keine Lust auf eine reine Froschdiät, vermutet Weiser augenzwinkernd. Und außerdem gebe es auch noch andere Nahrungsquellen. "Der Storch ist Nahrungsopportunist und frisst alles, was die richtige Größe hat", sagt der Biologe. Wenn beim Wertstoffhof Feierabend ist sehe man ihn dort mit Schwarzmilan und Lachmöwe nach Ratten, Mäusen und Ungeziefer suchen. „Ohne die Abfallanlage hätten wir nicht so viele brütende Störche.“

 

Text und Fotos:  Sabine Hebbelmann


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